Pressemitteilung 3/08
vom 20. Oktober 2008
Bildungsgipfel ohne Informationsfreiheit nur eine Schimäre
Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft fordert unverzügliche Umsetzung des Koalitionsvertrags
als Teil von Bildungspolitik
Anlässlich des am 22. Oktober stattfindenden nationalen Bildungsgipfels von Bund und Ländern mahnt das Aktionsbündnis
für Bildung und Wissenschaft die Einlösung der bereits verkündeten und für Bildung entscheidenden Versprechen an.
Bildungspolitik, so fordert es der Sprecher des Aktionsbündnisses Prof. Rainer Kuhlen, muss auch
Informationspolitik sein.
Bereits 2005 schrieben sich die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag die Umsetzung eines bildungs- und wissenschaftsfreundlichen
Urheberrechts in ihr Pflichtenheft. Eine kleinliche, völlig unzureichende Umsetzung dieses Ziels erfolgte im Urhebergesetz Anfang
2008, welche die Anforderungen aus Bildung und Wissenschaft torpedierte. Der Gesetzgeber hat den Forschern, den Lehrern und den
Bibliotheken Einschränkungen auferlegt, die den Möglichkeiten des heutigen Internet Hohn sprechen, z.B. um nur den Bezug zur
Bildung herzustellen: Jede Schule muss für jedes urheberrechtsgeschütztes Dokument, das die Lehrer im Unterricht einsetzen
wollen, nicht nur bezahlen, sondern auch explizit jeden Rechteinhaber um Erlaubnis bitten. Was für ein Bildungskonzept steht
dahinter?
Entsprechend haben sowohl Bundestag als auch Bundesrat im parlamentarischen Verfahren die Umsetzung eines 3. Korbes speziell für die
Bedürfnisse von Bildung und Wissenschaft gefordert. Diese lässt aber seither auf sich warten. In diesem Jahr reichte es der
Koalition nur zu einem uninspirierten Aufguss von § 52a URHG, der sogenannten Wissenschaftsschranke, nicht weil sie den
Erfordernissen aus Bildung und Wissenschaft entspräche, sondern die Evaluierung noch nicht abgeschlossen ist. Auch jetzt
wird dieser für Bildung und Wissenschaft, trotz aller Schwächen, zentrale Paragraph nur befristet gültig, nicht fester
Bestandteil des Gesetzes sein.
Von Seiten des BMBF versprach Dr. Annette Schavan in dieser Legislaturperiode ein umfassendes Wissenschaftsfreiheitsgesetz, Ergebnis ist
ein 5-Punkte-Plan für die Großforschungseinrichtungen — von Freiheit der Informationsnutzung wird keine Rede sein.
Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft befürchtet, dass die Showveranstaltung
Bildungsgipfel die dringenden Probleme von Bildung und Wissenschaft zum Wahlkampfthema 2009 stilisiert, aber keine positiven
Veränderungen spürbar werden, ja, dass sogar das Thema einer elektronischen Umgebungen angemessenen Informationsversorgung für
Bildung und Wissenschaft vermutlich gar nicht angesprochen wird. Deutschland wird damit z.B. gegenüber skandinavischen Ländern,
aber auch den USA, weiter abgehängt.
Das Aktionsbündnis lädt die TeilnehmerInnen des nationalen Bildungsgipfels zur Teilnahme am offenen Workshop
Das Urheberrecht zwischen den nationalen
Körben und dem internationalen Rahmen ein, der am 11. und 12. Dezember 2008 in der Humboldt Universität zu Berlin
stattfindet. Dort wird die Notwendigkeit eines bildungs- und wissenschaftsfreundlichen Urheberrechts für die internationale
Konkurrenzfähigkeit und den Bildungsstandort Deutschland deutlich werden.
Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 350 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 6.900 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Dr. Kuhlen (Konstanz), Dr. Müller (Heidelberg), Dr. Sepp
(Kassel). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, hmueller at mpil.de und sepp at physik.uni-kassel.de.
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