Pressemitteilung 08/07
vom 3. Juli 2007
Letzter Appell
Am Donnerstag, 5.7.2007, soll im Bundestag in 2. und 3. Lesung über die zweite große Urheberrechtsnovellierung entschieden werden. Das
Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" hat sich in einem letzten Appell an die Bundestagsabgeordneten gewandt, um gegen
diese Gesetzesvorlage zu protestieren.
Der Protest des Aktionsbündnis richtet sich gegen die einseitige Begünstigung einer fortschreitenden Kommerzialisierung auch von mit öffentlichen
Mitteln erstelltem Wissen.
Das Aktionsbündnis protestiert, dass Informationsbedürfnisse und Informationsverhalten der in Bildung und Wissenschaft Arbeitenden weitgehend
ignoriert wurden.
Das Aktionsbündnis protestiert, dass die Potenziale der Informations- und Kommunikationstechnologien zum Nachteil der Wettbewerbsfähigkeit der
deutschen Wissenschaft und des deutschen Bildungssystems durch unsinnige Vorschriften eingeengt werden sollen.
Das Aktionsbündnis protestiert, dass nach den Studiengebühren nun auch drastische Informationskosten auf die Studierenden zukommen werden.
Das Aktionsbündnis protestiert, dass mit den vorgesehenen Regelungen das Selbstbestimmungsrecht der Wissenschaftler weiter eingeschränkt wird bzw.
nicht so gefördert wird, wie es z.B. der Bundesrat über eine größere Vertragsfreiheit empfohlen hatte.
Das Aktionsbündnis protestiert, dass die Bibliotheken massiv an der Informationsversorgung von Bildung und Wissenschaft im elektronischen Umfeld
gehindert werden.
Zusammen mit den großen Wissenschaftsorganisationen stellt das Aktionsbündnis fest, dass das Ziel der Bundesregierung, wie es im Koalitionsvertrag
formuliert ist, nämlich ein ,,bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht" zu schaffen, über dieses Gesetz nicht erreicht ist.
Das Aktionsbündnis sieht die Ursache für das Misslingen dieser urheberrechtlichen Regulierung, so der Sprecher Prof. Kuhlen, in erster Linie in dem
Fehlen einer klaren politischen Zielausrichtung in der Ministerialbürokratie, die weitgehend juristisch selbst-referentiell agiert. Wissenschafts- und
Informationsfreiheit sowohl der Produzenten/der Urheber als auch der Nutzer wurden den kommerziellen Verwertungsrechten untergeordnet. Zu oft wurde dem
nachgegeben, der über die meisten Mittel für das Lobbying verfügt.
Das Aktionsbündnis hat die Abgeordneten aufgefordert, dieses Gesetzesvorhaben, das in einzelnen Paragrafen (52b und 53a) geradezu groteske, weltfremde
und nicht praktizierbare Regelungen enthält, nicht zu verabschieden. Der Bundestag hat gegenüber den Vorgaben der EU-Richtlinie von 2001 seine Pflicht
mit der ersten Novellierung getan. Jetzt besteht kein weiterer Handlungszwang.
Wie auch immer die Entscheidung des Bundestags ausfüllt: Das Aktionsbündnis hat die Politik aufgefordert, schon jetzt auf einen Dritten Korb
hinzuarbeiten: Zu viele Fragen wurden unzulänglich beantwortet. Wichtige Probleme, darauf weist Prof. Kuhlen hin, wurden ausgeklammert, wie z.B. die
Autonomie der Wissenschaftler gegenüber den Verwertungsinteressen der zunehmend global agierenden Informationswirtschaft verstärkt oder wie den
Bibliotheken weiterhin eine leistungsfühige, Bildung und Wissenschaft unterstützende Rolle auch im elektronischen Umfeld gesichert werden kann.
Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 340 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 6.200 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Kuhlen (Konstanz), Prof. Beger (Hamburg), Dr. Degkwitz
(Cottbus). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, beger at sub.uni-hamburg.de und degkwitz at
tu-cottbus.de
Impressum
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
c/o Universität Konstanz
Postfach D-87
D-78457 Konstanz
Tel +49-(0) 7531-88-2879 Fax +49-(0) 7531-88-2048
rainer.kuhlen at uni-konstanz.de www.urheberrechtsbuendnis.de
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June 14th 2010:
Die Bundesjustizministerin hielt heute ihre Berliner Rede zum Urheberrecht:
[Manuskript der Rede]
[Materialsammlung von IUWIS zum 3. Korb]
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Februar 4th 2010:
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December 10th 2009:
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September 21st 2009:
Kollektiver Widerspruch gegen VG Wort-Zwangsvertretung im Google Book Search
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September 21st 2009:
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September 4th 2009:
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September 2nd2009:
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June 13th 2009:
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May 11th 2009:
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