Pressemitteilung 9/06
vom 19. Mai 2006
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" begrüßt die
Bundesratskritik an den Urheberrechtsplänen der Bundesregierung und fordert
das BMJ zum Überdenken seiner wissenschafts- und bildungsbehindernden Position
auf. Das Aktionsbündnis fordert gleichzeitig das BMBF auf, seine Position der
stillschweigenden Zustimmung entgegen seiner eigenen, ,,auf Open-Access
ausgerichteten" Politik zu verlassen. Ingesamt wäre in der jetzigen Situation
der Kritik von allen Seiten ein Moratorium die angemessene politische Reaktion.
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft" begrüßt
nachdrücklich, dass der Bundesrat auf seiner Sitzung am 19. Mai 2006 die
Bundesregierung an ihr eigenes Ziel erinnert hat, für ein ,,bildungs- und
wissenschaftsfreundliches Urheberrecht" zu sorgen - so steht es ja zumindest
im Koalitionsvertrag. Der Bundesrat sieht, ganz im Einklang mit dem
Aktionsbündnis, dass durch die verschiedenen neuen Regelungen (z.B. in den
§§ 52b, 53a - beide zur Literaturversorgung durch Bibliotheken, aber auch
durch die Beschränkung von Autorenrechten in § 31a) gravierende
Nachteile für die deutsche Wissenschaft, ihre Autoren und für das deutsche
Bildungswesen beim Umgang mit publiziertem Wissen zu erwarten sind. Weiter
ist auf die erheblichen Kostensteigerungen durch die Verknappungsstrategien
der Verlage für die Länder als die Träger von Bildung und Wissenschaft
hinzuweisen.
Angesichts der von vielen Seiten sich verstärkenden Kritik hätte sich das
Aktionsbündnis sogar eine Empfehlung des Bundesrates in Richtung Moratorium
gewünscht. Dazu konnte sich der Bundesrat wohl nicht
durchringen. Die in dieser Intensität eher ungewöhnliche Kritik des
Bundesrates legt aber das Zurückziehen des Entwurfs nahe, damit in Ruhe an
einer wirklichen Balance zwischen den Interessen gearbeitet werden kann.
Das Aktionsbündnis bedauert, dass die Justizministerin über ,,ihr"
Urheberrecht nach wie vor dem kommerziellen Verwerterinteresse Vorrang
gegenüber Wissenschafts- und Informationsfreiheit einräumt und sich dabei
hartnäckig, aber nicht nachvollziehbar, auf die angeblichen Vorgaben aus
Brüssel beruft. Ohne eine Besinnung auf die deutschen Interessen an einer
leistungsfähigen Wissenschaft und einem ebenso leistungsfähigen Bildungssystem
wird es kein zu akzeptierendes Urheberrecht in Bildung und Wissenschaft geben.
Das Aktionsbündnis fordert daher auch das Bildungs- und Forschungsministerium
(BMBF) auf, sich aus seiner Position des Stillschweigens zum Entwurf
herauszubewegen und sich entsprechend den vom eigenen Haus verfolgten
Open-Access-Zielen klar zu artikulieren. Wenn es um Wissenschafts- und
Informationsfreiheit geht, sollte die Kabinettsdisziplin nicht Vorrang
haben. Streitkultur, um Balancen zu erreichen, ist gefragt.
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von 280 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 4.000 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Kuhlen (Konstanz), Prof. Beger (Hamburg), Dr. Degkwitz
(Cottbus). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, beger at sub.uni-hamburg.de und degkwitz at
tu-cottbus.de
Impressum
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
c/o Universität Konstanz
Postfach D-87
D-78457 Konstanz
Tel +49-(0) 7531-88-2879 Fax +49-(0) 7531-88-2048
rainer.kuhlen at uni-konstanz.de www.urheberrechtsbuendnis.de
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