Pressemitteilung 10/07
vom 18. September 2007
Bundesrat sollte durch Nicht-Zustimmung zum Zweiten Korb ein dringend
erforderliches politische Signal und damit der kommerziellen Verwertung von
Wissen und Information Grenzen setzen
Den an den Bundesrat gerichteten Text finden Sie
hier.
Zusammenfassung:
Das Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft
bittet den Bundesrat, bei seiner Beratung am 21.9.2007 dem Zweiten
Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft
nicht zuzustimmen. Vielmehr sollte er zur Verbesserung der Regelungen vor
allen in den Bildung und Wissenschaft direkt betreffenden §§ 52b
und 53a den Vermittlungsausschuss anzurufen. Beide Paragraphen gehen in erster
Linie die elektronische Informationsbereitstellung und -lieferung an. Der
Bundesrat hatte sich 2006 weitgehend der Kritik des Aktionsbündnisses
angeschlossen. Da das jetzt verabschiedete Gesetz eher noch weitere Nachteile
für Bildung und Wissenschaft mit sich bringen wird, haben die damals vom
Bundesrat selber vorgetragenen Bedenken gegen ein keinesfalls
wissenschaftsfreundliches Urheberrecht weiter Gültigkeit. Der Sprecher des
Aktionsbündnisses, Prof. Rainer Kuhlen, weist darauf hin, dass auf die
Hochschulen und deren Bibliotheken erhebliche Mehrkosten zukommen werden, wenn
denn Bildung und Wissenschaft weiterhin auf informationell gesicherter und
international konkurrenzfähiger Grundlage betrieben werden soll. Diese Kosten,
sei es der Bibliotheken oder der Wissenschaftler selber, müssen letztlich von
den Ländern getragen werden. Unabhängig von der Anrufung des
Vermittlungsausschusses bittet das Aktionsbündnis dringend darauf hinzuwirken,
dass der vom Bundestag in Aussicht gestellte Dritte Korb, der dann ein
Bildungs- und Wissenschaftskorb sein soll, so schnell wie möglich seine Arbeit
aufnehmen soll.
Ausführung:
Das Zweite Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der
Informationsgesellschaft wird vom Bundesrat am 21.9. 2007 beraten. Das
Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft hat sich
in an einem Anschreiben an die Ministerpräsidenten und die für Bildung und
Wissenschaft zuständigen Länderminister/innen gewandt und sie gebeten,
entgegen der Empfehlung der Ausschüsse des Bundesrats, doch den
Vermittlungsausschuss anzurufen.
Das Aktionsbündnis bittet den Bundesrat, bei seiner am 19.05.06
beschlossenen Linie zu bleiben. Damals hatte der Bundesrat den
Gesetzentwurf der Bundesregierung scharf kritisiert und hielt es für
dringend geboten, im Rahmen des Zweiten Korbs ein
bildungs- und wissenschaftsfreundlicheres Urheberrecht zu schaffen,
das auch den Erfordernissen der durch das Grundgesetz besonders
geschützten und nicht kommerziell ausgerichteten Einrichtungen in
Bildung, Wissenschaft und Kultur sowie dem Grundrecht auf
Informationsfreiheit der Bürger weit stärker als bisher Rechnung
trägt.
In der schließlich vom Bundestag verabschiedeten Fassung ist das
Gesetz weiter zuungunsten von Bildung und Wissenschaft verschärft
worden. Den immer wieder vorgebrachten kritischen Bedenken von Seiten
Bildung und Wissenschaft, nicht zuletzt von Seiten der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen - zu befürchten ist, dass ... die
schon in der letzten Zeit dramatisch gestiegenen Kosten für die
Bereitstellung und Nutzung digitaler Informationsmaterialien für
Bildung und Wissenschaft weiterhin erheblich steigen werden -
wurde so gut wie gar nicht Rechnung getragen.
Das Aktionsbündnis würde es daher nicht nachvollziehen können, wenn
die Länder als die Träger der Hochschulen und der ihnen zugeordneten
Bibliotheken einem Gesetz ihre Zustimmung geben, das die
informationelle Absicherung der Arbeit in Bildung und Wissenschaft
außerordentlich behindern wird und das für die Länder mit erheblichen
Mehrkosten verbunden ist.
Verantwortlich für die zu erwartende Kostensteigerung sind vor allem
die §§ 52b und 53a, die die Bereitstellung elektronischer
Materialien durch die Bibliotheken und den elektronischen
Dokumentversand regeln sollen.
Beide Normvorschriften sind völlig unangemessen den Anforderungen und
Verhaltensformen von Bildung und Wissenschaft in elektronischen
Umgebungen. Die mit hohen Millionenbeträgen von Bund und Ländern
aufgebaute technische Infrastruktur, einschließlich der elektronischen
Dienstleistungen, wie subito, wird in Zukunft für die
Informationsarbeit in Bildung und Wissenschaft in Deutschland nur
unzureichend genutzt werden können. Lediglich Arbeit mit Papier und
Bleistift, so der Sprecher des Aktionsbündnisses, Prof. Rainer Kuhlen,
hält der Gesetzgeber für unproblematisch verträglich mit den
Verwertungsinteressen der Verlagswirtschaft.
Bibliotheken als die von den Ländern finanzierten Einrichtungen werden
für die Informationsarbeit in Bildung und Wissenschaft weitgehend
uninteressant werden, - es sei denn, die Länder werden bereit sein,
die Kosten zu übernehmen, die durch die zwischen Verlagen und
Bibliotheken nun auszuhandelnden Lizenzverträge entstehen werden.
Offenbar ist es der politische Wille, der Informationswirtschaft die
alleinige Zuständigkeit für die Informationsversorgung zuzugestehen.
Bildung und Wissenschaft ist es letztlich egal, ob sie die benötigten
Informationen durch die Bibliotheken oder direkt von der
Informationswirtschaft erhalten. Wenn letzteres wirklich gewünscht
sein soll, sollten sich die Länder darüber im Klaren sein, dass über
die Marktpreise alles sehr viel teurer werden wird.
Eigentlich müsste es dem Bundesrat auch klar sein, dass es sich bei
ihm jetzt vorgelegten Gesetz keineswegs um ein bildungs- und
wissenschaftsfreundliches Urheberrecht handelt. Ein solches Ziel
war aber von der Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag so in
dieser Formulierung vorgegeben worden.
Das Aktionsbündnis hat daher den Bundesrat gebeten, mit dem Anrufen
des Vermittlungsausschusses zumindest das politische Zeichen zu
setzen, dass es mit dieser Politik der fortschreitenden
Kommerzialisierung von Wissen, auch von Wissen, dessen Produktion mit
öffentlichen Mitteln finanziert wurde, nicht einverstanden ist.
Unabhängig davon, ob der Vermittlungsausschuss jetzt tatsächlich
angerufen wird oder nicht bzw. unabhängig davon, welche Änderungen
dann noch im Vermittlungsausschuss erreicht werden, bittet das
Aktionsbündnis den Bundesrat auf einen raschen Beginn des vom
Bundestag in Aussicht gestellten Dritten Korbs zu dringen, der ja auch
Bildungs- und Wissenschaftskorb genannt wird.
Der an den Bundesrat gerichtete Text ist unter folgender URL abrufbar:
http://www.urheberrechtsbuendnis.de/docs/BR-Anschreiben092007.pdf
Rainer Kuhlen
Sprecher des Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
Das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft"
(http://www.urheberrechtsbuendnis.de/) wurde 2004 im Zusammenhang mit
der Novellierung der Urheberrechtsgesetzgebung in Deutschland
gegründet. Das Aktionsbündnis setzt sich für ein ausgewogenes
Urheberrecht ein und fordert für alle, die zum Zweck von Bildung und
Wissenschaft im öffentlichen Raum tätig sind, den freien Zugang zur
weltweiten Information zu jeder Zeit von jedem Ort. Grundlage des
Aktionsbündnisses ist die Göttinger Erklärung zum Urheberrecht für
Bildung und Wissenschaft vom 5. Juli 2004. Diese Erklärung wurde
unterzeichnet von sechs Mitgliedern der Allianz der
Wissenschaftsorganisationen (Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der
angewandten Forschung e.V., Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren e.V., Hochschulrektorenkonferenz,
Max-Planck-Gesellschaft, Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm
Leibniz e.V. und Wissenschaftsrat), von über 340 wissenschaftlichen
Fachgesellschaften, Informationseinrichtungen und Verbänden sowie von
mehr als 6.500 Einzelpersönlichkeiten. Sprecher des Aktionsbündnis sind
Prof. Kuhlen (Konstanz), Prof. Beger (Hamburg), Dr. Degkwitz
(Cottbus). Weitere Informationen über Nachfrage an: rainer.kuhlen at
uni-konstanz.de, beger at sub.uni-hamburg.de und degkwitz at
tu-cottbus.de
Impressum
Prof. Dr. Rainer Kuhlen
c/o Universität Konstanz
Postfach D-87
D-78457 Konstanz
Tel +49-(0) 7531-88-2879 Fax +49-(0) 7531-88-2048
rainer.kuhlen at uni-konstanz.de www.urheberrechtsbuendnis.de
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Next Relevant Dates |
6. November 2020
Jahrestagung des Aktionsbündnisse (online)
Ein Status-Überblick zum Urheberrecht — national und in Europa
Programm und Anmeldung
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News  |
April 6th 2021

The coaltion of action takes a position on the "draft law to adapt copyright law to the requirements of the digital single market".
Opinion of April 6, 2021 on the Draft Law.
Opinion of Februar 22, 2021 on the Draft Law.
Opinion of November 6, 2020 on the Draft Bill.
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October 7th 2020

Published by de Gruyter:
Rainer Kuhlen, „Die Transformation der Informationsmärkte in Richtung Nutzungsfreiheit — Alternativen zur Als-ob-Regulierung im Wissenschaftsurheberrecht“.
Online unter DOI: 10.1515/9783110693447
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February 28th 2018

UrhWissG comes into force — not a big progress, but greater legal certainty and some improvements
(Press Release)
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November 20th 2017

All presentations given at our anual meeting on November 8, 2017 are available online:
(Presentations).
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June 7th 2017

The copyright reform (UrhWissG) was passed — facilitation, but no reason to cheer
(Press Release)
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June 26th 2017

An appeal to the German Bundestag: The UrhWissG has to be passed without restrictions within this legislative period.
The Coalition for Action calls on the two chairmen of the CDU/CSU and of the SPD, Volker Kauder and Thomas Oppermann,
to release the governmental draft for the German Copyright Act for the vote in the Bundestag, and then
we call the members of the Bundestag to eatablish the law without restrictions.
(Press Release)
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May 22nd 2017

FAZ, you can not win this fight — distorted journalism in terms of copyright by publisher and managing director of FAZ newspaper
The action alliance criticizes the open letter of the editors and managing directors to the German Bundesrat of 12.5.2017 and of the 18.05.2017 to the deputies of the German Bundestag.
Through these letters the "makers" of the newspaper try to exert pressure on the legislature. This behavior can only be described as unusual and extremely dubious.
(Press Release)
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May 10th 2017

Der Bundesrat sollte sich nicht von den Untergangsszenarien des Börsenvereins blenden lassen.
Wir haben in einer Stellungnahme an den Bundesrat diesen aufgefordert, den Gesetzesentwurf zum
„Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz — UrhWissG“ anlässlich seiner Plenarsitzung am
12. Mai 2017 nicht aufzuhalten, sondern im Prinzip zu unterstützen.
(Press Release).
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April 27th 2017

Die Zeit drängt: Bildung und Wissenschaft brauchen eine Reform des Urheberrechts!
Wir unterstützen weiter den vom Bundeskabinett beschlossenen Gesetzentwurf für eine Reform des Urheberrechts, jedoch
bedauern wir die Verschlechterungen des Regierungsentwurfs im Vergleich zum Referentenentwurf.
(Press Release)
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February 14th 2017

We make you aware that on the website
www.publikationsfreiheit.de is being tried, to manipulate
the public and in particular the authors in education and science with incorrect claims in favor of
publishers' interests.
(Press Release).
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January 24th 2017

The way has not yet come to an end — but the direction is right
The Coalition for Action sees in the draft bill for a "Copyright Law Knowledge Society Act —
UrhWissG" from the ministry for justice an important step in the direction of an education and science-friendly copyright law.
(Press Release)
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December 21st 2016

The road to the One General Exception for Education and Research (ABWS) should now be free now & mdash; Go ahead, Minister Maas!
(Press Release).
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December 15th 2016

KMK, VG Wort and HRK must finally create clarity
The joint press release of KMK, VG Wort and HRK from 9 December 2016 is a source of uncertainty and confusion in the universities.
What should actually be done with the electronic semester apprentices from 1 January 2017? Further is currently
deleted or placed texts invisible. There is a need for action!
(Press Release)
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December 12th 2016

And they seem to still be able to move - KMK and VG-Wort. And the university rector conference (HRK) is now on board.
However, the transitional regulation from the beginning of 2017 is still unclear.
Debt to the present obvious disaster around the framework
contract to § 52a UrhG is ultimately the intolerable delay tactics of the policy.
(Press Release).
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November 23rd 2016

Folder with our recommendations for dealing with the framework contract between KMK and VG-Wort to § 52a UrhG has been published.
(Press Release)
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November 16th 2016

Offener Brief an den Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas: „Bitte lassen Sie den Schleier von
diesem verdeckten Objekt [dem Entwurf einer Bildungs- und Wissenschaftsschranke im Urheberrecht] wegreißen!
Der Öffentlichkeit ist das Spiel mit Andeutungen nicht länger zuzumuten.“
(Letter).
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Publications |
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All presentations given at our anual meeting von November 8, 2017 are online available:
-
Was wissen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler
über ihre Urheberrechte,
wie handeln sie, und was wünschen sie?
- Studie im Auftrag des Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft e.V.
-
Folder with our recommendations for dealing with the framework contract between KMK and VG-Wort to § 52a UrhG
- Version: 22 November 2016
- Format: A4 duplex
-
Folder on our Current Demands
- Version: August 2015
-
Folder on a Comprehensive Copyright Clause in Support of Education and Science
- Version: August 2015
-
Folder on the Right for a Second Publication for Scientific Articles
- Version: July 2015
-
Information als Vitamin für Innovation: Schranken oder Lizenzen für Forschung und Lehre?
- Compilation for the annual meeting on October 10, 2013
-
Breite Unterstützung für eine umfassende Verbesserung des Urheberrechts für Bildung und Wissenschaft
- Evaluation of a survey and policy implications, September / October 2011
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